Neuer Schulleiter mit internationaler Erfahrung
Ein Jahr lang musste unsere Schule ohne offiziellen Schulleiter auskommen. Besonders der stellvertretenden Schulleiterin Elisabeth Petzold, die kommissarisch die Schulleitungsaufgaben übernommen hat, ist es zu verdanken, dass das Gymnasium Wellingdorf gut durch dieses Jahr gekommen ist. Aber auch Jörg Brosemann, der vorübergehend die Oberstufenleitung innehatte, half mit, dieses herausfordernde Jahr zu bewältigen. Jetzt wechselt er aus dem Kollegium heraus auf den Posten des Schulleiters. Auch wenn er für uns kein Unbekannter ist, bietet dieser Neustart einen guten Anlass, ihn noch einmal im Rahmen eines Interviews vorzustellen.
Redaktion: Ist es in Ordnung, wenn das Kollegium dich weiterhin duzt?
Jörg Brosemann: Natürlich. Ich habe das „Du“ auch den neuen Lehrkräften angeboten, damit es keine Unterschiede zwischen den „alten“ und „neuen“ Kollegen gibt.
Redaktion: Woher kommst du ursprünglich? Wo hast du studiert?
Jörg Brosemann: Ich stamme aus Stadthagen in Niedersachsen und habe in Hannover an der Musikhochschule studiert. Mein zweites Fach ist Mathematik. Nach dem Studium habe ich zwei Jahre Musik als Assistent an der Universität in Arizona unterrichtet, dort habe ich auch meine Frau kennengelernt. Meine nächste Station war das Referendariat an einer Schule in Wilhelmshaven. Von Arizona, wo immer die Sonne schien, bin ich also an einen Ort gekommen, wo es quasi immer geregnet hat.
Redaktion: Wie hat es dich dann nach Kiel verschlagen? Das Wetter ist ja hier nicht unbedingt besser als in Wilhelmshaven…
Jörg Brosemann: Uns war es wichtig, dass wir in einer Universitätsstadt leben. Das zweite Kriterium war, dass die Stadt am Meer sein sollte. So fiel unsere Wahl auf Kiel. 1997 habe ich meine erste Lehrerstelle am Gymnasium Wellingdorf angetreten, zunächst als Angestellter, ab 2000 als Beamter. In Kiel wurden auch unsere beiden Kinder geboren.
Redaktion: Du hast aber auch Erfahrungen als Lehrer im Ausland gesammelt, oder?
Jörg Brosemann: Schon damals in Kiel war klar, dass ich gerne im Ausland arbeiten möchte. 2004 sind wir dann mit der ganzen Familie nach Peking gegangen, wo ich an der Deutschen Schule unterrichtet habe. Das Exotische hat uns angezogen; ich fand die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und China faszinierend, z. B. in Bezug auf die chinesische Kultur und die Sprache. 8 Jahre haben wir in Peking gelebt, nach einer Zwischenstation an der Kieler Käthe-Kollwitz-Schule dann noch einmal 5 Jahre in Shanghai. Dort habe ich auch die Corona-Pandemie mit dem strengen Lockdown in China erlebt. Insgesamt war es eine sehr intensive Zeit in China, die uns geprägt hat.
Redaktion: Warum habt ihr China verlassen? Und wie war es für dich, ans Gymnasium Wellingdorf zurückzukehren?
Jörg Brosemann: Die Rückkehr nach Deutschland hatte vor allem familiäre Gründe. Es war ein komisches Gefühl, nach 20 Jahren zurückzukommen… der Geruch des Musiksaals war immer noch derselbe, aber das Kollegium und die Schülerschaft haben sich natürlich verändert. Einige wenige Kollegen kannte ich noch von damals, aber insgesamt ist das Kollegium aktuell im Durchschnitt deutlich jünger. Als positiv erlebe ich, dass sich heute die Lehrkräfte stärker mit der Schule identifizieren. Ich finde, wir haben jetzt ein junges, tolles Kollegium!
Redaktion: Warum hast du dich als Schulleiter am Gymnasium Wellingdorf beworben?
Jörg Brosemann: Ich habe im Ausland viele Erfahrungen gesammelt, die über das „normale“ Unterrichten hinausgehen, z. B. habe ich die Stundenplanung übernommen oder bin als Regionaler Ausbildungskoordinator für Ostasien tätig gewesen. In Shanghai war ich Oberstufenkoordinator, später dann stellvertretender und auch kommissarischer Schulleiter. Nicht nur die praktischen Erfahrungen, auch den fachlichen Background bringe ich für die Position eines Schulleiters mit: Ich habe den Masterstudiengang „Schulmanagement und Qualitätsentwicklung“ absolviert und auch entsprechende Fortbildungen der Zentralstelle für Auslandsschulwesen besucht. Aber entscheidender ist für mich, dass ich gerne alle paar Jahre eine neue Herausforderung suche. Ich habe großen Respekt vor dieser Aufgabe: Schulleiter ist gewissermaßen ein neuer Beruf. Gleichzeitig habe ich aber auch große Lust darauf! Und ich möchte auch in dieser Position weiter lernen.
Redaktion: Was sind deine Ziele für diese Schule?
Jörg Brosemann: Grundsätzlich ist vieles positiv am Gymnasium Wellingdorf. Aber natürlich habe ich einige Ideen… z. B. würde ich im Verwaltungsbereich gerne stärker auf Digitalisierung setzen, um die Arbeitsabläufe zu vereinfachen. Es geht mir hier auch um die Entlastung der Lehrkräfte. Ich weiß, dass dieser Beruf immer anstrengender wird und wir teilweise nicht die Ressourcen haben, die wir bräuchten. Ein anderes Thema ist, dass wir es in der Schülerschaft mit lauter unterschiedlichen Individuen zu tun haben und wir möglichst allen gerecht werden wollen. Deshalb sollten wir unseren Blick auf individualisiertere Lernformen richten, aber auch auf eine stärkere Sprachförderung über alle Fächer hinweg.
Redaktion: Was sind deine Hoffnungen und Befürchtungen?
Jörg Brosemann: Meine Hoffnung ist, dass wir weiterhin eine gute Schule bleiben, die gefragt ist und die natürlich die bestmögliche Bildung möglichst individuell für jeden unserer Schüler bietet. Dazu gehört auch die Lehrerzufriedenheit. Beides hängt zusammen. Ich hoffe, dass wir als Schule in Bezug auf die Schülerzahl wachsen. Ich habe ein bisschen Sorge, von der Aufgabenfülle erschlagen zu werden. Allein die ganzen E-Mails, die man als Schulleiter jeden Tag bekommt… Ich muss da lernen, Prioritäten zu setzen.
Redaktion: Was machst du als Ausgleich zu deiner fordernden beruflichen Aufgabe?
Jörg Brosemann: Wenn ich nach Hause komme, setze ich mich immer erstmal an meinen Flügel. Musik ist ein super Ausgleich! Es ist mir immer wichtig gewesen, Musik zu machen. Und ich weiß, dass ich mehr Sport treiben möchte. Im Alltag fahre ich viel Fahrrad und in den Ferien habe ich sogar Surfen ausprobiert.
Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für den Start!
Interview: Katrin Keita

Fotos von der Einführung Jörg Brosemanns als neuer Schulleiter:





