O du fröhliche…

Zum Weihnachtskonzert präsentierte sich das breite musikalische Leben unserer Schule in Höchstform. Neben den Streicher- und Bläserklassen, dem Unter- und Mittelstufenchor, Klavier-, Gesangs- und Streichersolisten und einem umfangreichen Programm der Bigband war erstmals auch der Oberstufenchor zu hören. Nicht nur mit alten Weihnachtsliedern, sondern auch mit viel Freude und einem Gefühl der Zusammengehörigkeit verzauberten die Schülerinnen und Schüler das Publikum.

Dieses Gefühl beschreibt auch Mia Sophie Schuth (UIb), die beim Weihnachtskonzert mitgewirkt hat (Auszug):
(…) So ziehe ich mein Fazit. Ja, es war ein gutes Gefühl, mit den anderen, mit meiner Stimme Musik zu machen. Und ja, ich hätte meine Sache besser machen können. Und ja, es gibt immer eine Möglicheit zur Steigerung. Vermutlich habe ich nicht alle Töne getroffen, sah aus wie der letzte Trottel, der Grau aus Schwarz und Weiß hervorlugte, ungeschminkt, mit albernen, rot glitzernden Ohren an einem Reif in den ungekämmten Haaren, nicht viel Ahnung von Noten, wenig Freude an Weihnachten. Aber zu all dem stehe ich. Was ich geben konnte, war einzig meine Stimme, meine Leidenschaft für Musik. Frage nicht, ob das reicht, frage nicht nach Perfektion. Frage nach dem Moment, in dem du eingezwängt zwischen unzähligen Sängern, die eventuell das Gleiche empfinden, auf einer aufgeheizten Bühne vor einem Publikum stehst, das dir plötzlich fremd erscheint, obwohl du einen Großteil kennst. Nach dem Moment, in dem ihr alle beginnt, Töne in Silben an die Ohren – zu den Herzen? – der Menge unter euch zu tragen. Dumbledore, der Hogwarts-Schulleiter aus „Harry Potter“, behält recht damit, dass Musik Magie ist. Das haben schon viele fiktive und reale Personen vor ihm festgestellt und es werden noch einige folgen, denn die Zusammensetzung der Töne verändert sich zwar von Melodie zu Melodie, aber das Wesen der Musik lebt so lange mit seinem Zauber fort, wie jemand sich davon verzaubern lässt. Als Teil eines Ganzen fühlte ich mich in dem Moment, in dem wir gesungen haben. Das war neu. Bisher habe ich nie ernsthaft mit anderen musiziert. Zum Spaß einmal die Band gegründet und bald wieder verlassen, mit Freunden Karaoke gemacht, im Auto das Radio mit der Familie stimmlich begleitet. Die meiste Zeit aber singe ich allein. Dann hört keiner die schrägen Töne, sieht keiner die wahren Gefühle. Beim Singen offen und deshalb leichter verletztlich, ist man wohl zusammen mit anderen stärker. Die Stimmen umschlingen sich gegenseitig, schwingen. Ja, im Endeffekt besteht Musik nur aus Schall, aus Wellen, erzeugt von sich bewegenden Muskelsträngen, die, von Trommelfellen aufgefangen, übernommen werden. So kann man es herunterbrechen – im Kopf, der Wunder durch Erklärungen zu interessanten Informationen macht, indem der die Emotionen durch Fakten ersetzt. Drum lasset nicht nur das Fleisch zum Schwingen bringen, sondern auch das Herz. Lasset nicht nur die Münzen auf den Tresen klimpernd erklingen, sondern auch die Musik. Gebet und nehmet Geschenke, die man mit Geld nicht erwerben kann. Und sehet: Dort über dem Material-Schlachtfeld erhebt sich eine wunderschöne Weihnachtsmusik. Sie war immer da, aber ihr feiner Klang ist in dem großen Getümmel untergegangen. Ich habe nie behauptet, dass es einfach wäre, innezuhalten im stetigen Strom der Masse, der an jedem reißt, doch ich wage zu behaupten: Es ist lohnenswert, auf eine Konzert zu gehen.