Rohstoffwoche: Schüler erkunden das Innere der Smartphones 

Auftakt im Gymnasium Wellingdorf: Schülerinnen und Schüler erkunden das Innere von Smartphone und Co. im Rahmen der Rohstoffwoche. Der Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK), das Unternehmen Lightcycle und die Organisation Geoscopia besuchen noch weitere Schulen. 

Von Annette Göder 

Das Thema „Handy“ zieht – das wurde in der lebhaften Diskussion am Gymnasium Wellingdorf deutlich. Die Schule machte den Auftakt zur Rohstoffwoche, in der es um Recycling geht. Der Abfallwirtschafts-betrieb Kiel (ABK), das Unternehmen Lightcycle und die Organisation Geoscopia sind die Veranstalter. 

„Es gibt über 50 verschiedene Metalle im Handy, die wir wiederverwenden könnten“, erzählte Michael Geisler von der Umweltbildungsorganisation Geoscopia, die in Bochum ihren Sitz hat. Schritt für Schritt ging er mit den Schülern und Schülerinnen der Klassen 8b und c einige dieser Metalle durch und kam auf die Problematik ihrer Gewinnung und Verwendung zu sprechen. 

Unterricht einmal anders: Michael Geisler von Geoscopia, einer Organisation für Umweltbildung, erklärt der Klasse 8b des Gymnasiums Wellingdorf die positiven Wirkungen von Handy-Recycling. Quelle: Annette Göder

Smartphone-Akkus können explodieren 

Akkus enthalten den Stoff Lithium – das wussten mehrere Schüler. Dass Akkus explodieren können, war aber vielen unbekannt. „Im Abfallwirtschaftszentrum haben wir dicke Metallbehälter für den Fall, dass sie explodieren“, erläuterte Marion Voß vom ABK. Michael Geisler zeigte der Klasse in seiner Präsentation, wie Lithium in Südamerika gewonnen wird und erläuterte, dass große Mengen Wasser dafür erforderlich seien. 

Wohin mit alten Geräten? 

Handys sowie andere Geräte aus dem Bereich Kommunikations- und Unterhaltungselektronik können kostenlos beim ABK-Zentrum Kiel in der Clara-Immerwahr-Straße 6, dem ABK- Wertstoffhof in der Daimlerstraße 2, in der Schadstoffsammelstelle des ABK in der Gutenbergstraße 57 und an den Schadstoffsammelmobilen abgegeben werden. Zuvor sollten die Verbraucher und Verbraucherinnen persönliche Daten auf den Geräten löschen. Batterien und Akkus müssen, soweit technisch möglich, entfernt und separat abgegeben werden. Näheres unter: www.abfall-a.de

Gold steckt ebenfalls im Handy, nämlich in den Leitplatinen-Adern, erfuhren die Achtklässler. Der Vorteil dieses Edelmetalls: Es rostet nicht. Aluminium wird ebenfalls genutzt. Auch hier ist die Gewinnung mit großen Eingriffen in die Natur verbunden. „Nur, damit wir immer wieder das neueste Handy haben, wird die Umwelt zerstört“, klagte Geisler. 

„Gibt es denn Handys, die ökologisch besser sind?“, wollte ein Schüler wissen. Der Experte antwortete: „Bei Fairphones, die unter möglichst fairen Bedingungen hergestellt werden, kann man viele Teile selbst auswechseln, wenn sie im Laufe der Zeit kaputtgehen.“ Das Problem: „Wer ein Fairphone kaufen möchte, muss mit langen Lieferzeiten rechnen.“ Das Fazit lautete: „Wir sollten die Geräte so lange nutzen, wie sie funktionieren“, so der Umweltpädagoge. Ein Handy halte vier bis fünf Jahre. Die Zeitspanne sei noch länger, wenn die Nutzer und Nutzerinnen nur wichtige Apps installierten und nicht jedes mögliche Update durchführten. 

Ausgediente Geräte gehören auf den Wertstoffhof oder die Sammelbox 

Abfallberaterin Marion Voß forderte die Jugendlichen auf, alle Elektrogeräte, die ausgedient haben, auf den Wertstoffhof oder zu den Sammelstellen zu bringen. Um Handys abzugeben, können sie sich demnächst aber den Weg sparen. Denn im Anschluss an den Projekttag wird in der Schule eine Box aufgestellt, in die alte Handys geworfen werden können. „Es wird geprüft, ob alle Daten entfernt sind, und die Handys werden wieder veräußert“, erläuterte die Abfallberaterin. Der Gewinn soll ökologischen Projekten zugutekommen. 

Sophie, Copali und Adrian (von links) aus der Klasse 8c des Gymnasiums Wellingdorf demonstrieren die Nutzung der Handy-Sammelbox, die Marion Voß (Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel) mitgebracht hat. Quelle: Annette Göder 

Das Thema „Recycling“ ist den Achtklässlern nicht neu: Die Abfallberaterin und die Geografie-Lehrerin Luise Hannemann haben mit ihnen ein Trenn-System für Abfälle eingeführt. Im Klassenraum stehen nun ein blauer Abfalleimer für Papier, ein gelber für Plastik und ein grauer für Restmüll. Wenn die Behälter voll sind, leeren die Schüler sie in den entsprechenden Containern auf dem Schulhof aus. 

(Artikel erschienen am 31. August 2021 in den Kieler Nachrichten; Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Autorin)