Das Gymnasium Wellingdorf als Ausbildungsschule

Ausbildungskonzept des Gymnasiums Wellingdorf

Vorwort

Das Gymnasium Wellingdorf blickt auf eine lange Tradition der Lehrerausbildung zurück.Wir möchten diese Tradition auch mit Blick auf unsere Schul- und Unterrichtsentwicklung fortsetzen.
Es ist uns bewusst, dass im Prozess des Vermittelns unserer Erfahrungen und Kenntnisse an die zukünftigen Lehrkräfte auch eine Chance liegt unsere berufliche Arbeit auf den Prüfstand zu stellen, sie weiter zu entwickeln und den pädagogischen Diskurs in unserem Kollegium lebendig zu halten.
Entsprechend erwarten wir von den LiA an unserer Schule ein hohes Maß an Motivation für die anspruchsvolle pädagogische Aufgabe sowie Aufgeschlossenheit, Lern- und Einsatzbereitschaft in allen von den Ausbildungs- und Fachstandards beschriebenen Bereichen.
Unser Ausbildungskonzept befindet sich in der Erprobungsphase. Eine Überarbeitung zu gegebener Zeit richtet sich an den Erfordernissen aus, die bei der Umsetzung im Schulalltag erst in vollem Umfang sichtbar werden können.

Elemente der Ausbildung

1. Einführung in die schulische Arbeit
Der/die Schulleiter/in stellt den Kontakt zwischen der Lehrkraft in Ausbildung (LiA) und den Ausbildungslehrkräften so früh wie möglich vor dem ersten Schultag her, so dass ein Schulrundgang schon vor Beginn des eigenverantwortlichen Unterrichts stattfinden kann. Die LiA erhält zu diesem Zeitpunkt ein „Startpaket“ mit wichtigen ersten Informationen über unsere Schule sowie eine Checkliste zur Einführung in die schulische Arbeit (s. Anlage).

Die LiA hat an den ersten beiden Schultagen des 1. Semesters keinen regulären eigenverantwortlichen Unterricht. Sie wird am ersten Tag je zwei Stunden von dem/der Referendarsbetreuer/in (allgemeine Informationen) und den beiden Ausbildungslehrkräften betreut (Vorbereitung des Fachunterrichts). Am zweiten Tag hospitiert die LiA den Unterricht der Ausbildungslehrkräfte bzw., falls dies aus stundenplantechnischen Gründen nicht möglich ist, den Fachunterricht anderer Kollegen und Kolleginnen idealer Weise in den gleichen Klassenstufen, in denen sie selber unterrichten wird. Der eigenverantwortliche Unterricht der LiA wird vertreten. Diese sukzessive Einführung in das neue Berufsfeld soll für die LiA eine Starthilfe für die eigene unterrichtliche Arbeit sein.
Die Ausbildungslehrkräfte unterstützen den Start in den Beruf durch Tipps und Hilfen bei der Planung der ersten Stunden und durch die Bereitstellung von geeigneten Unterrichtseinheiten.

Hinweise auf innerschulische fachspezifische Curricula werden der LiA so früh wie möglich und nötig von den Ausbildungslehrkräften gegeben.

2. Unterricht
Es werden 14 Wochenstunden pro Semester Ausbildungsunterricht eingeplant. Maximal eine Stunde pro Monat ist für zusätzlichen Unterricht (Vertretungsunterricht) vorgesehen. Von den 14 Wochenstunden entfallen durchschnittlich zehn Wochenstunden (S. OVP) – jedoch faktisch nie mehr als zwölf – auf den eigenverantwortlichen Unterricht und die anderen Stunden auf Unterrichtsbesuche bei den Ausbildungslehrkräften oder auch bei anderen Lehrkräften sowie auf Unterricht unter Anleitung.
Eigenverantwortlicher Unterricht oder Unterricht unter Anleitung muss innerhalb der Ausbildungszeit in allen Stufen in beiden Fächern erfolgen (mindestens je eine Unterrichtseinheit von ca. 8 bis 12 Stunden). Die Übernahme weiterer Unterrichtseinheiten in Lerngruppen der Ausbildungslehrkräfte erfolgt nur auf Wunsch der LiA. Der Unterrichts-plan für das jeweils kommende Halbjahr wird in Absprache mit den Ausbildungslehrkräften und den LiA sowie der/dem Zuständigen für die Referendarsbetreuung von dem/der Stundenplangestalter/in erstellt.
Eine Erhöhung der Anforderungen bei LiA mit drei oder mehr Fächern darf es aus Gründen der Gleichstellung nicht geben. Hier trifft die Schulleitung in Absprache mit der LiA, der/dem Zuständigen für die Referendarsbetreuung sowie den beteiligten Ausbildungslehrkräften eine Absprache über die Schwerpunktsetzung in der Ausbildung.

3. Unterrichtsbesuche
Im ersten Semester soll die LiA einen ganzen Schultag – möglichst an einem unterrichtsfreien Tag – in mindestens einer der Klassen, die sie auch selber unterrichtet, hospitieren. Nach Absprache sind an unterrichtsfreien Tagen der LiA auch weitere ganztägige Unterrichtsbesuche möglich. Spätestens ab dem zweiten Semester hospitiert die LiA neben den Ausbildungslehrkräften nach Absprache auch andere Kollegen und Kolleginnen ihrer Fächer. Damit soll gewährleistet werden, dass die LiA unterschiedliche methodische und didaktische Ansätze und Sozialformen in der Praxis kennen lernt.

Gegenseitige fächerübergreifende Unterrichtsbesuche der LiA finden hausintern einmal pro Monat an festgesetzten Terminen statt, sodass jede LiA ein- bis zweimal pro Halbjahr Gelegenheit erhält die Beratungskompetenz einer heterogenen Gruppe von Lehrkräften in Anspruch zu nehmen und ihre unterrichtliche Arbeit auf den Prüfstand zu stellen. Diese Veranstaltungen werden von allen LiA unserer Schule und nach Möglichkeit auch ihren Ausbildungslehrkräften besucht. Die anschließenden Stundenberatungen werden in der Regel von der jeweiligen Ausbildungslehrkraft moderiert. Für die zu haltende Stunde werden von der betreffenden LiA ein Sitzplan sowie ein Unterrichtsentwurf erwartet. Der Schulleiter/die Schulleiterin nimmt an diesen Veranstaltungen nach eigenem Ermessen teil.
Der Vorteil dieses Ausbildungselementes wird vor allem darin gesehen, dass über die Fächergrenzen hinaus über Unterricht unter pädagogischen, allgemeinmethodischen und diagnostischen Aspekten gemeinsam nachgedacht wird. Den LiA an unserer Schule werden auf diese Weise weitere Perspektiven für die Unterrichtsgestaltung eröffnet. Das in Modulen Erarbeitete kann vorgestellt und reflektiert werden. Die Intensivierung der Zusammenarbeit innerhalb unseres Kollegiums ist nicht nur als Nebeneffekt dieses Ausbildungselementes zu sehen, sondern ein zentrales Anliegen, das wiederum der Ausbildung unserer LiA zugute kommen wird.
Die Kooperation bezüglich fächerübergreifender Hospitationen mit anderen Gymnasien, Realschulen und Gesamtschulen in der Umgebung wird angestrebt.

Die Ausbildungslehrkräfte hospitieren den Unterricht ihrer LiA außerdem in der Regel wöchentlich und fertigen Mitschriften der gesehenen Stunden an, auf deren Grundlage Beratungsgespräche durchgeführt werden. Über feste Besprechungsstunden informieren die Ausbildungslehrkräfte den/die Stundenplangestalter/in.
Mitschriften und verwendete Beobachtungsbögen werden der LiA zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus geben die Ausbildungslehrkräfte Hilfen bei der Gestaltung von Tests und Klassenarbeiten sowie deren Korrektur und unterstützen die LiA bei der Anlage einer eigenen Materialsammlung.

Jede LiA sollte während ihrer Ausbildungszeit  mehrere Stunden in einer vierten Klasse an einer Grundschule sowie an einer Gesamt- und einer Realschule hospitiert haben. Die/der Zuständige für die Betreuung der LiA hilft bei der Organisation.

Um eine fundierte Auseinandersetzung zu gewährleisten legt die LiA zu den hospitierten Stunden regelmäßig Stundenverlaufspläne vor einschließlich einer Formulierung der Schwerpunktkompetenz und des Stundenthemas.
Mit dieser Praxis wird nach den ersten Oster- bzw. den ersten Herbstferien begonnen. Vor allem in dieser regelmäßig geübten Verschriftlichung der Stundeneckpunkte kann die LiA Planungs- und Reflexionskompetenz erwerben.

4. Mitwirkung am Schulleben und an der Schul- und Unterrichtsentwicklung
Die Mitarbeit in den Teamstrukturen der Schule erfolgt in erster Linie in den die LiA be-treffenden Fachschaften und in den Klassenkollegien.
Mindestens einmal während ihrer Ausbildungszeit referiert jede LiA im Rahmen einer Konferenz (z.B. Fachkonferenz) über einen ausgewählten Modulinhalt. Die so angebahnte Verzahnung der Module mit der Schul- und Unterrichtsentwicklung ermöglicht der LiA der Schule Impulse zu geben und den pädagogischen Diskurs an unserer Schule kompetent mitzugestalten.

Jede LiA führt während der Ausbildungszeit mindestens einen Wandertag oder einen Projekt- oder Fachtag durch und wertet ihn aus. Die Auswertung erfolgt in der Regel mit den jeweils zuständigen Lehrkräften. Zudem sollte an einer Klassen- oder Studienfahrt teilgenommen werden (Beteiligung an Planung, Durchführung und Auswertung).

In der Regel ist spätestens ab dem dritten Ausbildungssemester eine stellvertretende Klassenlehrerschaft für jede LiA vorgesehen.

Jede LiA sollte einmal während ihrer Ausbildungszeit als Gast an einer Schulkonferenz teilgenommen haben. Dies gilt auch für Sitzungen des Schulelternbeirats und der Schülervertretung, sofern sich diese Gremien hierzu bereit erklären.

Die LiA nimmt aktiv am Schulleben teil. Die Mitwirkung an schulischen Veranstaltungen wird erwartet.

5. Betreuung
Die Ausbildungslehrkräfte leiten an, beraten und unterstützen die LiAs in der schulischen Bildungs- und Erziehungsarbeit mit Blick auf die Ausbildungs- und Fachstandards und führen die Orientierungsgespräche. Ein Wechsel der Ausbildungslehrkräfte ist in besonderen Fällen möglich. Die Schulleitung entscheidet dies nach Beratung mit den betreffenden Ausbildungslehrkräften und der/dem Zuständigen für die Betreuung der LiA.

Die/der Zuständige für die Betreuung der LiAs koordiniert in Absprache mit allen Beteiligten die Elemente der Ausbildung. In einer regelmäßig stattfindenden Betreuerstunde tauschen sich die LiA über Aktuelles aus und erhalten bei Bedarf Hilfestellung und Beratung. Pädagogische Fragen wie auch Fragen, die die Zusammenarbeit mit den Eltern betreffen, werden in den Betreuerstunden bearbeitet.
Jede LiA wird in ihrer Ausbildungszeit mit ihrem Einverständnis ab dem zweiten Semester ein- bis zweimal gefilmt. Die Auswertung des Filmmaterials erfolgt in den Betreuerstunden zusammen mit der/dem Zuständigen für die Betreuung der LiA und – wenn möglich – mit den Ausbildungslehrkräften. Dieses Element der Ausbildung soll jede LiA in der Selbstwahrnehmung ihrer unterrichtlichen Tätigkeit unterstützen. Die Weiterverwendung des Filmmaterials darf nur mit dem Einverständnis der LiA erfolgen.

6. Einführung in die Organisation und die Aufgabenfelder der Schule durch die Funktionsträger/innen
Innerhalb des Ausbildungszeitraumes findet zu folgenden schulrelevanten Themen ein Gespräch mit den jeweiligen Funktionsträgern und –trägerinnen statt, auf das sich die LiA mit einem Fragenkatalog vorzubereiten hat. Die Termine werden von dem/der Zuständigen für die Betreuung koordiniert.

Schulleiter/in bzw. stellvertretende/r Schulleiter/in

  • Aufgaben, Pflichten und Rechte der Schulleitung
  • Funktion jedes einzelnen im Betrieb Schule
  • Aufgaben der unterschiedlichen Konferenzen
  • rechtskundliche Fragen wie Versetzungsordnung, Aufsichten etc.

Leiter/in der Orientierungsstufe

  • Aufgabe von Klassenleitungen
  • Elterngespräche, Elternabende
  • Orientierungsstufenverordnung, Überleitungsproblematik
  • Vergleichs- und Parallelarbeiten
  • Lernpläne
  • Teilnahme an Gesprächen mit Grundschullehrkräften

Leiter/in der Mittelstufe

  • Aufgabe von Klassenleitungen
  • Elterngespräche
  • spezielle Probleme und Aufgaben der Mittelstufe (z.B. Betriebspraktikum)
  • Implementierung der Bildungsstandards
  • Formalisierung des Mittleren Schulabschlusses
  • Vergleichs- und Parallelarbeiten
  • Schulversagen insbesondere der Jungen
  • Gewalt und Suchtproblematik

Leiter/in der Oberstufe

  • Oberstufenverordnung,
  • Schulverwaltungsprogramm
  • Abiturprüfungsverordnung
  • Organisation des Wirtschaftspraktikums

Koordinator/in für „Die Begegnung mit der Arbeitswelt“

  • Organisation des Wirtschaftspraktikums

Gleichstellungsbeauftragte

  • Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten

Verbindungslehrkraft

  •  Aufgaben einer Verbindungslehrkraft
  • Rolle und Funktion der Schülervertretung (SV)

Personalrat

  • Aufgaben des Personalrats

Beauftragte/r für Legasthenie

  • Aufgaben der/des Beauftragten

Beauftragter für Studienreisen und Wanderfahrten

  • Klassen- und Studienfahrten, Austauschprogramme
  • Wandererlass

Schulleiter/in

Der/die Schulleiter/in macht mindestens einmal pro Fach pro Semester einen Unterrichtsbesuch mit anschließendem Beratungsgespräch, an dem in der Regel auch die jeweilige Ausbildungslehrkraft teilnimmt. Vorbereitend hierfür erstellt die LiA analog zu den Examensbedingungen einen schriftlichen Unterrichtsentwurf. Die schriftliche Unterrichtsplanung ist als unerlässliche Übung zur Auseinandersetzung mit den die Lerngruppe betreffenden pädagogischen, didaktischen und methodischen Fragen anzusehen und ein Indikator für die Reflexionsfähigkeit der LiA in Bezug auf ihr Berufsfeld.
Nach dem zweiten Semester zieht der Schulleiter/die Schulleiterin gemeinsam und nach vorhergehendem Austausch mit den betreffenden Ausbildungslehrkräften mit der LiA eine Zwischenbilanz. Ab dem dritten Semester verkündet der/die Schulleiter/in im Anschluss an das Auswertungsgespräch nach einem Unterrichtsbesuch eine Note als Orientierungshilfe für die LiA. Der Unterrichtsbesuch durch den/die Schulleiter/in und die anschließende Reflexion der Stunde ist für die LiA im Hinblick auf den Examenstag als Übung anzusehen. Über den abgesprochenen Termin für den Unterrichtsbesuch informiert die LiA den/die Vertretungsplaner/in.

Der/die Schulleiter/in verfasst zum Ende der Ausbildungszeit die dienstliche Beurteilung nach Anhörung der an der Ausbildung beteiligten Ausbildungslehrkräfte.

In einer regelmäßig stattfindenden Sprechstunde können sich die LiA mit den ihre Ausbildung betreffenden Fragen und Problemen an den/die Schulleiter/in wenden.